> Anbau soll über "ÖPP" finanziert werden Gemeinderat Neukirchen beschließt Projekt Umsetzung der vier Jahre alten Pläne durch öffentlich-private Partnerschaft angedacht
Adorf. Eng ist es im Depot der Adorfer Feuerwehr an der Jahnsdorfer Straße. "Umziehen können wir uns nur, wenn Kameraden die Einsatzwagen vorher aus der Halle gefahren haben", beschreibt Wehrleiter Rico Bochmann. Eine echte Lagermöglichkeit für Ersatzkleidung und technische Geräte gebe es in der einstigen Stellmacherei auch nicht. "Derzeit lagern wir diese Dinge an mehreren Stellen im Haus." Mehr Platz zum Umziehen und zum Aufbewahren von Aus- rüstung ist deshalb seit Jahren der größte Wunsch der Adorfer Feuerwehrleute. Schützenhilfe bekommen die Feuerwehrleute von der Unfallkasse Meißen. Deren Vertreter hätten bei zwei Vor-Ort-Termin amtlich festgestellt, dass die Raumbedingungen unzureichend sind, so Bochmann. Im Mai 2007 habe er der Gemeinde Pläne für einen Anbau vorgelegt, umgesetzt seien die bis heute nicht.
Nun soll das lang ersehnte Projekt in Gang kommen - mit einer öffentlich-privaten Partnerschaft, kurz ÖPP. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung dafür seine Zustimmung gegeben. Bei einer solchen Partnerschaft werden privates Kapital und Fachwissen eingesetzt, um eine staatliche oder kommunale Aufgabe zu erfüllen. "Damit betreten wir absolutes Neuland", sagte Bürgermeister Stefan Lori (CDU) zur Ratssitzung. Denn eine solche Kooperation habe es im Ge- meindegebiet noch nie gegeben.Weil Neukirchen das Geld fehlt, habe der Anbau für die Adorfer Feuerwehr bislang nicht umgesetzt werden können, auch wenn er "zwingend erforderlich ist", sagt der Bürgermeister. Zwar seien schon vor Jahren beim Landkreis Fördermittel beantragt worden. Doch die Aussicht auf Förderung sei derzeit schlecht. "Erst in den Jahren 2012, 2013, 2014 könnte es Geld geben." Vorfinanzieren könne die Gemeinde das aber Projekt nicht, das gebe die Haushalt- lage nicht her. Den Bau über ein paar Jahre zu strecken, sei auch keine befriedi- gende Lösung.
Über die ÖPP könnte der Feuerwehranbau noch in diesem Jahr stehen, sagte der Bürgermeister den Gemeinderäten. Derzeit werde die Ausschreibung vorbereitet. Bei einer Partnerschaft von Kommune und Wirtschaft müsse die nur enthalten, was gebaut werden soll und welche Anforderungen erfüllt sein müssen. Die konkrete Umsetzung bleibe der Kreativität und Innovationsfreudigkeit der bietenden Unter- nehmen überlassen, so Lori. Aus den Angeboten suche sich die Gemeinde das für sie wirtschaftlichste aus. Als Baubeginn visiert der Bürgermeister den 1. August an. Nach Bauabschluss soll mit dem Investor ein Nutzungsrecht-Vertrag geschlossen werden. Das heißt: Die Gemeinde zahlt der Baufirma ein Entgelt - "ähnlich wie Kreditraten", erklärte Stefan Lori den Gemeinderäten -, um den Feuerwehranbau nutzen zu können. Dass Adorf trotz Eingemeindung nach Neukirchen 1999 eine eigene Feuerwehr braucht, wird Wehrleiter Rico Bochmann nicht müde zu betonen. Der 33-Jährige verweist auf das Sächsische Brandschutzgesetz und den Brandschutzbedarfsplan, der alle fünf Jahre erstellt wird. Darin ist unter anderem festgelegt, wie viel Zeit nach Eingang zum Beispiel einer Brandmeldung höchstens vergehen darf, bis die Feuer- wehr am Einsatzort eintrifft. Im Falle der freiwilligen Wehren betrage diese Spanne neun Minuten, aufgeteilt in fünf Minuten von der Meldung bis zum Ausrücken und vier Minuten Fahrtzeit sagt Bochmann. Das würde die Neukirchener Feuerwehr bei einem Brand in Adorf aber nicht schaffen, hätten Tests gezeigt, sagt der Wehrleiter und fügt hinzu: "Das gilt umgekehrt für uns aber auch."
S. Czabania - Freie Presse 04.06.2011, Foto: A. Truxa
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