> Neues aus der Geschichtsforschung der FF Adorf
Offener Mannschaftswagen Typ Stoewer - erstes motorisierte Fahrzeug der Wehr
Am 8. Juli 1933, also vor 77 Jahren konnte die Adorfer Wehr ihr erstes motorisierte Fahrzeug in Dienst
stellen. Es war ein offener, achtsitziger und rechtsgelenkter Personenwagen vom Typ STOEWER.
Nun kann man sich eine Anschaffung eines Feuerwehrfahrzeuges nicht wie heutzutage vorstellen, wo
zwischen duzenden Fahrzeugen mit noch mehr Aufbauvarianten das für die örtlichen Verhältnisse beste
und auch bezahlbarste Fahrzeug beschafft werden kann. Doch wie kam Adorf zum ersten Motorfahrzeug?
Große Stadtwehren konnten es sich bereits seit Mitte der 20er Jahre leisten, erste für die Feuerwehr ent-
wickelte Fahrzeuge (meist Um- und Ausbauten von Lastkraftwagen) zu erwerben. Magirus und Metz sind
dabei wohl die bekanntesten Marken. Die pferdegezogenen Spritzen verschwanden so langsam - nicht
so bei den kleinen Gemeinde- und Ortswehren. Handdruckspritzen ob von Pferd oder der Mannschaft
selbst gezogen, prägten noch lange Zeit das Bild dieser Wehren.
Mit dem Einsatz erster Automobile war für die Handspritzen noch lange nicht Schluß. Ebenso in Adorf.
Automobilbau in Deutschland - Stoewer Werke
In den 20er Jahren gab es in Deutschland viele kleine Fahrzeugmanufakturen - man schätzt über 200 -
und einige große Hersteller, deren Namen wie Wanderer oder Horch noch heute die Herzen jedes
Oldtimer- und Autofan höher schlagen lassen. Die Stoewer-Werke in Stettin gehörten mit ihren Fabriken
zu den mittelgroßen Herstellern. Bekannt ist, das Bernhardt Stoewer seit 1858 in Stettin Nähmaschinen,
Fahrräder und Schreibmaschinen produzierte. Stoewers Söhne produzierten ab 1899 Motorwagen und
später PKW, LKW, Busse, Traktoren, Motorspritzen und militärische Fahrzeuge.
Viele kleine Hersteller überlebten die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 30er Jahre nicht.
Die "Stoewer-Werke" schafften es.
Während des 2. Weltkrieges wurde auch hier die Produktion auf Rüstungsgüter umgestellt.
1945 wurde die "Stoewer-Werke AG" zerschlagen.
Stand der Dinge 1930
Zwei Spritzen, eine hand- und eine pferdegezogene sowie eine pferdegezogene mechanische Leiter
und ein Gerätewagen war das Rüstzeug der Adorfer Wehr. Schon lange hatte man den Wunsch, ein
motorgetriebenes Fahrzeug und eine Motorspritze zu besitzen. Doch dies scheiterte bereits im Ansatz
an der Finanzierung. Der Gemeinderat vertröstet die Wehrleute immer wieder. Es war einfach nicht mehr
Stand der Technik, mit Pferdefuhrwerken dem Feuer zu Leibe zu rücken. Die neue Adorfer Pferdespritze
wurde im Jahr 1907 beschafft.
Hier waren die Nachbarwehren weiter. In Jahnsdorf konnte 1925 eine fahrbare Lafettenspritze in Dienst
gestellt werden, die Stadt Thalheim erhielt 1925 sorgar eine Automobile-Motor-Spritze vom Typ Hansa-
Lloyd, die Klaffenbacher Wehr bekam 1929 eine Motorspritze die dann 1933 von einem Fahrzeug der
Marke Presto gezogen wurde. 1932 bauten die Neukirchner Kameraden einen Mercedes-Benz zum
Zugfahrzeug um.
Ein gebrauchtes Fahrzeug musste her
Wollten die Adorfer nicht den Anschluß verlieren - schließlich rückte man auch in die Nachbarorte mit aus,
musste der technische Stand zügig verbessert werden.
Ein Neufahrzeug kam für Adorf aus finanzieller Sicht nicht in Frage. Zudem sollte nach dem Fahrzeug
auch eine Motorspritze (Tragkraftspritze) beschafft werden. Schon das ein hoher Kostenaufwand.
Nun kam der Zufall den Adorfern zu Hilfe. Am Jahresbeginn 1933 kam ein wohlhabender Chemnitzer mit
seinem Stoewer Automobil am "Harthauer Berg" vom Wege ab. Das Fahrzeug steckte wohl fest und war
beschädigt. Ein Adorfer Kamerad hörte von diesem Ereignis und nahm Kontakt zum Fahrzeugbesitzer auf.
Stoewer Typ D9
Motorspritzenfahrzeug Stoewer der Feuerwehr Adorf , 1937
Man wurde sich schnell handelseinig. Die Kosten betrugen 150 Reichsmark. Die Gemeinde streckte das
Geld vor und die Kameraden der Wehr zahlten es so wie es ihnen möglich war über einen längeren Zeit-
raum zurück. Der offene Personenwagen wurde durch die Kameraden Emil Heinzmann (Schmied) und
Bernhard Ranft (Stellmachermeister) mit einem Holzaufbau versehen und wurde so zum ersten Adorfer Feuer-
wehrfahrzeug mit Motor. 1934 kam dann auch noch die erhoffte Motorspritze hinzu - eine aus der Feuer-
löschgerätefabrik E. C. Flader (Jöhstadt), Typ "Siegerin".
Motorspritze Flader "Siegerin" wird in Dienst gestellt, 1934
Nachforschungen
Doch was war es genau für ein Typ Fahrzeug? Wanderer, Mercedes oder auch Horch sind immer noch
sehr bekannt und Informationen recht einfach zu erhalten. Doch von der Marke STOEWER hört man schon
weniger.
Heute erleichtert das Internet oft schwierige Recherchearbeiten. So konnte der Kontakt zum
Stoewer-Museum in Wald-Michelbach (Hessen) hergestellt werden. Schnell wurde anhand von alten
Fotografien der eigentliche Fharzeugtyp ausfindig gemacht und originale Ansichten übermittelt.
Es handelt sich um einen STOEWER Typ D9VM aus den letzten Baujahren 1927 bis 1928,
Hubraum 2294 ccm, 32 PS und erreichte eine maximale Geschwindigkeit von 90 km/h.
Restaurierter Stoewer D9 mit Spitzkühler (Baujahr vor1927)
Vom Typ D9 wurden von 1924 bis 1928 800 Stück gebaut. Nur wenige Fahrzeuge haben die Zeit über-
standen. So nagte auch am Adorfer Fahrzeug der Zahn der Zeit. Schließlich war auch das verwendete
Buntmetall für die DDR-Industrie von Wert und von "oberster" Stelle kam befehlsartig die Ausmusterung
für entsprechende Fahrzeuge. Viele automobile Zeitzeugen verschwanden so auf die gleiche Art und Weise.
Am 15. November 1960 schlug auch für den Adorfer Stoewer die letzte Stunde. Er wurde zerlegt und
nicht verwertbare Teile landeten auf dem Adorfer Schrottplatz in einem ehemaligen Steinbruch.
So sind einige wenige Fotografien, die letzte aus dem Jahre 1959, die Erinnerungen an ein Stück Adorfer
Feuerwehrgeschichte.
Letztes (uns bekanntes) Bild des Adorf Stoewers, bei einem Einsatz im Jahr 1959
Für weitere Informationen oder gar Bilder sind wir dankbar.
Wir danken Herrn Manfried Bauer und dem Stoewer-Museum in Wald-Michelbach für die Unterstützung.
Quellen: Stoewer-Museum Wald-Michelbach, Historie der FF Jahnsdorf, Neukirchen, Thalheim, Klaffenbach
Link: www.stoewer-museum.de
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